5.1 Arbeit mit Karten

Seite Bearbeiten
0
Anmelden
Auf welchem Level willst du das Kapitel bearbeiten?

5.1 Arbeit mit Karten

Hinweise für Lehrende

Übersicht (Didaktischer Zugriff, Ziele, Kompetenzen)

Allgemeine Anmerkungen zu den Methoden

Anders als die Inhaltskapitel, die eine narrative Grundstruktur haben, sind die Methodenkapitel progressiv aufgebaut. Die Komplexität steigt hier also im Verlauf eines Kapitels stetig an. Je nach Lerngruppe wird es sinnvoll sein, über das Minimenü (direkt unterhalb des Kapiteltitels in der Navigationsleiste) an die relevante Stelle des Methodenkapitels zu springen.

Allgemeine Anmerkungen zum Kapitel

Unser Alltag ist mittlerweile von einer Vielzahl digitaler Kartendienste wie Google Maps und Internetsuchmaschinen geprägt, die uns in Sekundenschnelle Informationen zu jedem gewünschten Raum bieten. Dienste wie Google Earth machen es möglich, jeden beliebigen Ort der Erde virtuell zu bereisen und über Anbieter wie OpenStreetMap ist es möglich, sich über die Auswahl verschiedener Ebenen unkompliziert unterschiedliche Karten eines Raumes anzeigen zu lassen. Doch der Umgang mit Karten – seien sie digital oder gedruckt – muss erlernt werden. Denn Karten stellen kein objektives Abbild der Wirklichkeit dar: Sie sind generalisiert, verkleinert und verebnet und konstruieren damit immer auch ein gewisses Bild der Wirklichkeit.

Ziele und Kompetenzen

Mit diesem Methodenkapitel sollen die Lernenden befähigt werden, angemessen mit Karten umzugehen, was für die Orientierung in Realräumen eine grundlegende Voraussetzung darstellt. Neben dem Erarbeiten grundsätzlicher Merkmale von Karten, dem Beschreiben und Erklären von Karten, gehört dazu auch eine kritische Beurteilung der in Karten immer auch konstruierten Wirklichkeit von Raum. Innerhalb des Kapitels findet sich deshalb eine Progression, welche die Lernenden vom einfachen Dekodieren der Grafik und Beschreiben von Karten hin zum Erklären und schließlich zum Beurteilen von Karten führen soll. 

Der Fokus dieses Kapitels liegt auf der Vermittlung von Kartenauswertungskompetenz, die nach dem Ludwigsburger Modell zur Kartenauswertung in einzelne Fähigkeitsbereiche unterteilt wird (vergleiche Grafik). Zugleich wird durch die intensive methodische Auseinandersetzung mit Karten auch die räumliche Orientierung geschult.

Kapitelstruktur

Das Kapitel beginnt mit den besonderen Merkmalen einer Karte (1. Vom Bild zur Karte) sowie einfachen Grundlagen zum Lesen einer Karte. Dazu gehören Übungen zum Umgang mit der Legende (2. Wie lese ich eine Karte) sowie dem Maßstab (3. Wie bestimme ich Entfernungen in Karten?). 

Über die Arbeit und Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kartentypen erarbeiten die Lernenden zunächst Besonderheiten topografischer Karten wie Höhenlinien (4. Wie werte ich topografische Karten aus?). 

Anschließend werden das Analysieren und Auswerten thematischer Karten in den Blick genommen (5. Wie werte ich thematische Karten aus?). Mit den Unterkapiteln 4 und 5 findet somit der Übergang vom Kartenlesen hin zum komplexeren Interpretieren von Karten statt. 

Die abschließende Auseinandersetzung mit der Frage, inwiefern Karten Wirklichkeit konstruieren (6. (Wie) konstruieren Karten Wirklichkeit?), schließt alle für das kritische Interpretieren einer Karte nötigen Kompetenzen mit ein und stellt somit den anspruchsvollen Abschluss dieses Methodenkapitels dar.

Im Verlauf der einzelnen Unterkapitel kann jeweils anhand der Grafik nachvollzogen werden, welcher Fähigkeitsbereich im Umgang mit Karten besonders im Fokus steht.

1. Vom Bild zur Karte

1

Wenn du dich auf der Erde orientieren oder mehr über eine bestimmte Region wie beispielsweise die Euregio Maas-Rhein wissen willst, kannst du Karten verwenden. In einer Karte wird ein Ausschnitt der Erdoberfläche so dargestellt, wie man ihn senkrecht von oben sehen würde. Da der Platz nicht ausreicht, um alle Einzelheiten einer Landschaft zu zeichnen, muss die Wirklichkeit in einer Karte vereinfacht (generalisiert), verkleinert und verebnet werden. In einer Karte kann also beispielsweise nicht jedes Haus oder jeder Baum abgebildet werden. Umgekehrt müssen Straßen, Wege oder auch Bäche in einer Karte oftmals breiter dargestellt werden, als sie in Wirklichkeit sind. Andernfalls würde man sie in der Karte nicht erkennen. Zur Darstellung der Wirklichkeit werden in einer Karte Zeichen, Symbole, Farben, Schrift und Linien verwendet. Diese werden in der Legende erklärt.

Hinweise für Lehrende

Übersicht (Didaktischer Zugriff, Ziele, Kompetenzen)

Zu Beginn dieses Methodenkapitels sollen die Lernenden neben den grundlegenden Merkmalen einer Karte zunächst das Dekodieren der Grafik erlernen, das für alle darauffolgenden Methodenschritte eine unerlässliche Grundvoraussetzung darstellt.

Durch den Vergleich eines Senkrechtluftbilds mit der dazugehörigen Karte in Unterkapitel 1 erarbeiten die Lernenden zunächst Besonderheiten einer Karte. Als ergänzende Veranschaulichung eignet sich dazu auch das folgende Video.

Hinweise für Lehrende

Zur folgenden Aufgabe

Im Vergleich zwischen den verschiedenen Karten sind zum Beispiel folgende Veränderungen zu beobachten:

  • anstelle einzelner Gebäudefassaden wurden nur noch Grundrisse gezeichnet
  • besondere Gebäude wurden namentlich benannt sowie in manchen Fällen mit einem Symbol (zum Beispiel ein Kreuz für eine Kirche) gekennzeichnet
  • Straßennamen wurden beschriftet
  • unterschiedliche Nutzungsformen wurden flächig mit Farben gekennzeichnet, zum Beispiel Grasflächen und Bäume mit Grün
    --> zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Komplexität der Darstellung vereinfacht wurde, die Karte dafür jedoch im Vergleich zum Luftbild zusätzliche Informationen enthält, die durch Farben, Schrift und Symbole dargestellt werden
Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
2

Aufgabe

Vom Senkrechtluftbild zur Karte

Der Ausschnitt unten zeigt eine Karte von Lüttich.

Beschreibe, welche Veränderungen du beobachten kannst, wenn du von der Grundkarte "Bilddaten" zur Grundkarte "OpenStreetMap" wechselt.


Tutorials: GIS-Viewer, GIS-Viewer Grundkarte ändern

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren

Aufgabe

Vom Senkrechtluftbild zur Karte

Der Ausschnitt unten zeigt eine Karte von Lüttich.

Beschreibe, welche Veränderungen du beobachten kannst, wenn du von der Grundkarte "Bilddaten" zur Grundkarte "OpenStreetMap" wechselt.

Achte dabei vor allem auf die folgenden Aspekte:

  • Gebäude
  • Straßen
  • Nutzung, zum Beispiel Grünflächen, Bäume usw.

Tutorials: GIS-Viewer, GIS-Viewer Grundkarte ändern

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren

Aufgabe

Vom Bild zur eigenen Karte

Das Senkrechtluftbild zeigt dir einen Blick auf Aachen in der Umgebung des Bushofs.

Fertige ausgehend vom Luftbild eine einfache Karte mit Legende an. 

Datei hochladen
3
Topografische Karte Thematische Karten

Man unterscheidet zwei unterschiedliche Arten von Karten: Topografische Karten enthalten Informationen zur Gestalt der Erdoberfläche eines Raumes (= Topografie). Dazu gehören beispielsweise Höhenangaben, Gewässer und Angaben zur Vegetation. Da topografische Karten eine exakte räumliche Orientierung ermöglichen sollen, müssen die Karteninhalte lagerichtig und im Grundriss dargestellt sein.

Beachte, dass topografische Karten in unterschiedlichen Ländern verschiedene Referenzwerte für die Höhenangaben verwenden.

Tutorial: GIS-Viewer

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren

Thematische Karten bilden ein bestimmtes Thema ab, beispielsweise die Wirtschaft oder die Bevölkerung eines Raumes. Da der Fokus auf dem jeweils ausgewählten Thema liegt, können andere geografische Elemente, wie zum Beispiel die Oberflächenform, vernachlässigt werden. Thematische Karten ermöglichen deshalb keine exakte Orientierung im Raum, können jedoch räumliche Beziehungen und Zusammenhänge darstellen.

Topografische Karte Thematische Karten

2. Wie lese ich eine Karte?

Hinweise für Lehrende

Übersicht (Didaktischer Zugriff, Ziele, Kompetenzen)

Im folgenden Unterkapitel üben die Lernenden das Lesen von Karten mithilfe der Legende. Der Schwerpunkt liegt entsprechend auf dem Dekodieren der Grafik.

4

Um dich auf einer Karte zurechtzufinden, solltest du dir zunächst die Überschrift durchlesen – durch sie erfährst du das Thema der Karte. Betrachte anschließend die Legende. Sie stellt die Zeichenerklärung dar und enthält somit die Informationen, die für das Lesen der Karte nötig sind. Dazu gehören sowohl Signaturen und Symbole als auch die Bedeutung von Farben, beispielsweise für Wiesen oder Waldgebiete. 

5

Aufgabe

Karte lesen mithilfe der Legende

Markiere in der unten stehenden Karte die folgenden Orte oder Elemente in der dahinter angegebenen Farbe:

  • Bahnschienen (schwarz)
  • eine Landstraße (gelb)
  • eine Kirche (lila)
  • eine Sportstätte/einen Sportplatz (rot)
  • ein Waldstück mit Laubmischwald (grün)

Aufgabe

Karte lesen mithilfe der Legende

Markiere in der unten stehenden Karte die folgenden Orte oder Elemente in der dahinter angegebenen Farbe:

  • Bahnschienen (schwarz)
  • eine Bundesstraße (gelb)
  • ein Gewässer (blau)
  • eine Fläche mit Wiese/Grünfläche
  • eine Sportstätte/einen Sportplatz (rot)

Aufgabe

Karte lesen mithilfe der Legende

Markiere in der unten stehenden Karte die folgenden Orte oder Elemente in der dahinter angegebenen Farbe:

  • Bahnschienen (schwarz)
  • eine Kirche (lila)
  • eine Schule (gelb)
  • ein vom Menschen stark verändertes Gewässer (blau)
  • ein Waldstück mit Nadelwald (grün)
6

Vertiefung

Umgang mit historischen Karten

Besonders herausfordernd kann es sein, sich auf historischen Karten zurechtzufinden. Wenn du die Besonderheiten historischer Karten im Vergleich zu heutigen Karten herausfinden möchtest, bearbeite im Kapitel 1.5 historische Grenzentwicklung die Elemente 10-12.

3. Wie bestimme ich Entfernungen in Karten?

Hinweise für Lehrende

Zur folgenden Aufgabe

Die Entfernung zwischen Aachen und Eupen wirkt auf den beiden Kartenausschnitten unterschiedlich weit. Dies hat jedoch nichts mit der realen Entfernung zu tun, sondern liegt am unterschiedlichen Maßstab der Karten. Aufgrund des verschiedenen Maßstabs wurde die Wirklichkeit in den beiden Karten unterschiedlich stark verkleinert, deshalb wirken die beiden Städte auf der zweiten Karte (Maßstab 1 : 800.000 ) näher beieinander als auf der Karte mit dem Maßstab 1 : 175.000.

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
7

Aufgabe

Entfernungen in Karten

Für das kommende Wochenende ist eine Fahrradtour von Aachen nach Eupen geplant (vgl. 3.3 Eine Rundreise durch die Euregio Maas-Rhein). Um einschätzen zu können, wie anstrengend die Tour werden wird, soll die Entfernung zwischen den beiden Städten zunächst mithilfe einer Karte betrachtet werden. Dazu stehen zwei unterschiedliche Kartenausschnitte zur Verfügung, zwischen denen du mit dem Schieberegler hin und her wechseln kannst.

Erkläre, weshalb die Entfernung von Aachen nach Eupen auf den beiden Kartenausschnitten so unterschiedlich aussieht.

Der Maßstab

8

Wenn du wissen willst, wie stark die Wirklichkeit in einer Karte verkleinert wurde, benötigst du den Maßstab der Karte. Denn der Maßstab gibt das Verhältnis einer Kartenstrecke, also der Länge einer Strecke in der Karte (in der Regel 1 cm), zur entsprechenden Naturstrecke, also der Strecke in der Wirklichkeit, an. 

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
9

Hinweise für Lehrende

Zur folgenden Aufgabe

Die bisherigen Informationen reichen noch nicht aus, um die Fahrradtour gut vorzubereiten, denn:

  1. 1Die aus der Karte ermittelte Strecke zwischen Aachen und Eupen ist die Luftlinie zwischen den beiden Städten. Deshalb muss mithilfe anderer Karten (zum Beispiel Fahrrad- oder Wanderkarten) der genaue Verlauf der Fahrradtour geplant werden. Dabei müssen Straßen ausgeschlossen werden, die nicht für Fahrräder geeignet sind (beispielsweise Bundesstraßen), weshalb die reale Strecke sicherlich länger als 14 km sein wird. 
  2. 2Die reine Berechnung der Entfernung enthält noch keinerlei Informationen über die Beschaffenheit des Geländes, also zum Beispiel was für Steigungen auf der Strecke überwunden werden müssen. Somit kann aus den bisherigen Informationen noch nicht abgeleitet werden, wie anstrengend die Tour werden wird.
Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
10

Aufgabe

Fertig für die Radtour?

Mithilfe des Maßstabs ist nun klar, wie weit die Entfernung zwischen Aachen und Eupen ist.

Beurteile, wie gut sich die Fahrradtour nun mithilfe dieser Informationen vorbereiten lässt.

Aufgabe

Fertig für die Radtour?

Mithilfe des Maßstabs ist nun klar, wie weit die Entfernung zwischen Aachen und Eupen ist.

Beurteile, wie gut sich die Fahrradtour mithilfe dieser Informationen vorbereiten lässt.

Berücksichtige dabei die folgenden Aspekte:

  1. 1Inwiefern entspricht die berechnete Entfernung der tatsächlichen Fahrtstrecke?
  2. 2Welche Informationen sind zusätzlich nötig, um zu erfahren, wie anstrengend die Fahrradtour wird?

4. Wie werte ich topografische Karten aus?

Hinweise für Lehrende

Übersicht (Didaktischer Zugriff, Ziele, Kompetenzen)

Aufbauend auf die bereits erarbeitete und angewandte Teilkompetenz "Dekodieren der Grafik", die in der ersten Aufgabe (Sehenswürdigkeiten rund um den Dreiländerpunkt) noch einmal kurz aufgegriffen wird, legt das folgende Unterkapitel den Schwerpunkt nun auf das Beschreiben von Karten. Am Beispiel einer Wanderung nahe des Dreiländerpunkts erarbeiten die Lernenden Grundwissen zu Höhenlinien als Besonderheiten topografischer Karten, welches anschließend beim Beschreiben der Wanderroute angewandt werden soll. 

Hinweise für Lehrende

Zur folgenden Aufgabe

In 1 km Entfernung um den Dreiländerpunkt herum können anhand der Legende zum Beispiel folgende "Sehenswürdigkeiten" bestimmt werden:

  • Denkmal am Vaalserberg
  • höchster Punkt der Niederlande (direkt am Dreiländereck)
  • Aussichtspunkte (zum Beispiel im Labyrinth Dreiländerpunkt)
  • Hügelgräber (im Wald südöstlich Vaalserberg)
  • Kapelle (westlich des Dreiländerpunkts)
  • Kirche und Denkmal im Nordwesten des Dreiländerpunkts
  • Hügelgrab im Norden des Dreiländerpunkts
Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
11

Aufgabe

Geografische Sehenswürdigkeiten rund um den Dreiländerpunkt

Deine Klasse möchte einen Ausflug zum Dreiländerpunkt machen und dort eine schöne Wanderung mit Picknick unternehmen. Ihr bekommt den Auftrag, euch mit einer Karte über die Gegend zu informieren und interessante Orte für die Wanderung ausfindig zu machen. Der Ausschnitt aus der topografischen Karte zeigt dir die Gegend rund um den Dreiländerpunkt. 

Nenne mithilfe der Legende mindestens fünf "geografische Sehenswürdigkeiten", die nicht weiter als 1 km vom Dreiländerpunkt entfernt sind.

12

Merkkasten

Was sind Höhenlinien?

In topografischen Karten finden sich schwarze oder braune Höhenlinien, auch Isohypsen genannt (vom griechischen "isos" – gleich und "hypsos" – Höhe). Diese markieren benachbarte Punkte, die auf der gleichen Höhe liegen. Um die Karten nicht zu überfrachten, sind nicht alle Höhenlinien beschriftet. Deshalb gibt es in der Regel für runde Höhenwerte (zum Beispiel 200 m) dicker dargestellte Zählhöhenlinien.

Achtung: Wenn du topografische Karten aus der EMR verwendest solltest du immer darauf achten, aus welchem Land die Karte stammt, denn Deutschland, die Niederlande und Belgien verwenden unterschiedliche Bezugswerte für die Meereshöhe.

13

Exkurs

Höhenangaben: andere Länder, andere Sitten

Jede Höhenmessung beginnt bei Null - so sollte man zumindest meinen. Doch wie genau wird dieses "Null" definiert? Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen: Der Referenzpunkt für die Messung geografischer Höhen ist die Meereshöhe. Das bedeutet, dass die Messung auf Meeresniveau bei Null beginnt. Durch die Gezeiten und den Klimawandel verändert sich der Meeresspiegel jedoch stetig. Und so verwenden unterschiedliche Länder verschiedene Messorte als Referenzwerte für die Höhenangaben. Das wirkt sich auch auf die Höhenangaben in topografischen Karten aus:

Höhenangaben in niederländischen Karten beziehen sich auf den Amsterdamer Pegel, der als Höhenbezugspunkt mittlerweile auch als Normaal Amsterdams Peil, kurz NAP bezeichnet wird.

Deutsche Karten verwenden seit 2016 als Nullniveau der amtlichen Bezugshöhe das Normalhöhennull (NHN) im Deutschen Haupthöhennetz 2016 (DHHN2016), die sich ebenfalls am Amsterdamer Pegel orientiert. Jedoch findet sich gelegentlich in deutschen Karten fälschlicherweise die alte Bezeichnung m.ü.NN (Meter über Normalnull), die umgangsprachlich noch verbreitet ist.

Referenzhöhe für die Höhenangaben in belgischen Karten ist der "Tweede Algemene Waterpassing" (TAW). Eine TAW-Höhe von Null Metern entspricht dem mittleren Pegelstand bei Ebbe in Ostende. Im Gegensatz zu anderen Pegeln bezieht sich der Pegel Ostende somit auf den niedrigsten Wasserstand. Dieser liegt im Vergleich zum NHN im DHHN2016 und dem Amsterdamer Pegel liegt um 233cm niedriger.

Wichtig werden diese Unterschiede beispielsweise, wenn innerhalb der EMR grenzüberschreitende Bauwerke errichtet werden sollen. Denn dann muss für die Erstellung der Baupläne die Differenz der Höhensysteme zwischen den Ländern berücksichtigt werden.

14

Vertiefung

Höhenschichten

Neben den Höhenlinien finden sich in vielen Karten zusätzlich Höhenschichten. Dabei handelt es sich um farbige Flächen in der Karte, die von bestimmten Höhenlinien begrenzt sind. Je nachdem, welchen Zweck die Karte verfolgt, ist eine sinnvolle Auswahl an Höhenlinien sowie eine passende Farbgebung nötig. Klassischerweise werden in physischen Karten tiefer liegende Gebiete wie Tiefländer mit Grüntönen, hügelige Gebiete mit Gelbtönen und Bergregionen und Hochgebirge mit Brauntönen eingefärbt.

In Gewässern wie Seen oder Meeren werden anstelle der Höhenlinien Tiefenlinien (sogenannte Isobathen), also Linien gleicher Tiefe verwendet.

Wie lese ich Höhenlinien?

15

Wenn man eine Wanderung oder eine Fahrradtour machen möchte, ist es hilfreich, über das Gelände Bescheid zu wissen. Wie viele Höhenmeter gilt es zu überwinden? Geht es ständig bergauf und bergab oder verläuft die Strecke relativ eben? Diese Informationen lassen sich mithilfe einer topografischen Karte herausfinden.
Betrachte dazu die Höhenlinien und die dazugehörigen Höhenangaben. Aus der Lage der Höhenlinien zueinander lassen sich Aussagen über den Geländeverlauf ableiten: Je näher die Höhenlinien beieinanderliegen, desto größer ist die Hangneigung und desto steiler ist somit die Wegstrecke. Je weiter die Höhenlinien auseinanderliegen, desto flacher ist es.

Hinweise für Lehrende

Zur folgenden Aufgabe

Eine mögliche Beschreibung der Wanderroute könnte folgendermaßen lauten:

Die Wanderung beginnt am Dreiländerpunkt, der mit 322,7 m zugleich der höchste Punkt der Niederlande ist. Von dort laufen wir auf einem Feldweg parallel zur Landesgrenze in Richtung Westen. Der Weg verläuft eben und führt zunächst rechter Hand am Rand einer Wiese entlang.

Anschließend wandern wir durch Laubwald. Nach einer Wegkreuzung geht es leicht bergab bis zum Punkt 2, an dem ein unbefestigter Feldweg kreuzt. Nun verlässt die Wanderroute den bisherigen Weg und es geht quer durch den Wald bergab bis zu einer Höhe von 270 m. Dort verändert sich die Landschaft und der Weg führt nun über eine Wiese.

Nach dem abenteuerlichen Abstieg geht es nun eben bis zum Kruiswegpark. Bevor wir an Punkt 3 ankommen, durchqueren wir noch einige Schrebergärten. Anschließend gelangen wir wieder auf einen befestigten Feldweg, der uns zurück in den schattigen Laubwald führt. Zunächst geht es leicht bergauf und vorbei an einem Wegkreuz.

Auf einer Höhe von 300 m biegt der Weg relativ scharf links ab und verläuft von nun an bis zum Erreichen des Viergrenzenwegs relativ eben. Auf dem Viergrenzenweg erreichen wir nach zwei scharfen Kurven wieder unser Ausgangsniveau von knapp 320 m. Vorbei an einem Aussichtspunkt führt uns die Straße nun eben und geradlinig zurück zum Dreiländerpunkt.

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
16

Aufgabe

Wanderung am Dreiländerpunkt

Deine Lehrkraft hat eine Wanderroute in der Nähe des Dreiländerpunktes gefunden und bittet dich, den vorgeschlagenen Weg mithilfe einer Karte genauer zu untersuchen. Sie möchte wissen, ob es auf der Wanderstrecke Steilheiten oder schwierige Wegstrecken zu überwinden gibt und wie die Landschaft aussehen wird.

Betrachte die im Kartenausschnitt eingetragene Wanderroute. Vervollständige anschließend den Lückentext unten. Wenn du dir den Kartenausschnitt noch genauer anschauen möchtest, kannst du das hier tun.

Aufgabe

Wanderung am Dreiländerpunkt

Deine Lehrkraft hat eine Wanderroute in der Nähe des Dreiländerpunktes gefunden und bittet dich, den vorgeschlagenen Weg mithilfe einer Karte genauer zu untersuchen. Sie möchte wissen, ob es auf der Wanderstrecke Steilheiten oder schwierige Wegstrecken zu überwinden gibt und wie die Landschaft aussehen wird.

Betrachte die im Kartenausschnitt eingetragene Wanderroute. Vervollständige anschließend den Lückentext unten. Wenn du dir den Kartenausschnitt noch genauer anschauen möchtest, kannst du das hier tun.

Aufgabe

Eine Wanderung am Dreiländerpunkt

Deine Lehrkraft hat eine Wanderroute in der Nähe des Dreiländerpunktes gefunden und bittet dich, den vorgeschlagenen Weg mithilfe einer Karte genauer zu untersuchen. Sie möchte wissen, ob es auf der Wanderstrecke Steilheiten oder schwierige Wegstrecken zu überwinden gibt und wie die Landschaft aussehen wird.

Beschreibe mithilfe der angegebenen Wegpunkte (1–4), der Legende und der Höhenlinien die geplante Wanderstrecke für den Klassenausflug möglichst detailliert. Gehe dabei sowohl auf die Steilheit des Geländes, die Wege und die Landschaft (zum Beispiel Vegetation) ein.

Wenn du dir den Kartenausschnitt noch genauer anschauen möchtest, kannst du das hier tun.

5. Wie werte ich thematische Karten aus?

Hinweise für Lehrende

Übersicht (Didaktischer Zugriff, Ziele, Kompetenzen)

Mit dem folgenden Unterkapitel sollen die Lernenden befähigt werden, Karten nicht nur zu beschreiben, sondern auch inhaltlich auszuwerten und zu erklären. Dazu bieten sich thematische Karten besonders an, da sie verschiedene Informationsebenen (Layer) enthalten, welche von den Lernenden analysiert und in Verbindung gebracht werden müssen. Die in den vorangegangenen Unterkapiteln vermittelten Teilkompetenzen "Dekodieren der Grafik" und "Karte beschreiben" stellen die Grundvoraussetzungen für diesen weiterführenden Methodenschritt dar, welcher die Lernenden weg vom reinen Lesen hin zum Interpretieren von Karten führt. Am Beispiel "Pendlerströme in der Euregio Maas-Rhein" wird von den Lernenden zunächst das Erklären der Karte mit kartenimmanenten Informationen verlangt. Für leistungsstärkere Lernende wird mit dem Verweis auf Kapitel 1.4 Sprachgebiete bereits das Hinzuziehen externer Informationen für das Interpretieren der Karte ermöglicht.

17

Wie der Name bereits vermuten lässt, bilden thematische Karten ein bestimmtes Thema ab, beispielsweise die Beschäftigten nach Wirtschaftssektoren, die klimatischen Bedingungen oder die Bevölkerungsdichte eines Raumes. Dabei lassen sich in der Regel verschiedene Informationsebenen – sogenannte Layer – unterscheiden. Thematische Karten werden auf eine bestimmte Fragestellung hin untersucht und ausgewertet. Für die Interpretation werden dazu die Informationen der einzelnen Layer miteinander verknüpft. Oftmals sind zusätzliche Informationen aus anderen Materialien hilfreich oder sogar nötig.

Pendlerströme in der Euregio Maas-Rhein (in Personen)

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
18

Auf dieser Karte erfährst du, wie viele Menschen in der Euregio Maas-Rhein von Region zu Region pendeln. Mehr zu Pendlerströmen und Verkehr findest du in Kapitel 3.2.

19

Aufgabe

Anleitung: Wie werte ich eine thematische Karte aus?

Aufgabe

Anleitung: Wie werte ich eine thematische Karte aus?

Aufgabe

Anleitung: Wie werte ich eine thematische Karte aus?

6. (Wie) konstruieren Karten Wirklichkeit?

Hinweise für Lehrende

Übersicht (Didaktischer Zugriff, Ziele, Kompetenzen)

Dieses abschließende Unterkapitel thematisiert neben dem Erklären von Karten das kritische Reflektieren und Beurteilen von Karten. Zu Beginn sollen die Lernenden anhand verschiedener, auf den ersten Blick seltsam aussehender Karten, dafür sensibilisiert werden, dass Karten keine objektive Wahrheit darstellen. Durch die Grenzen der zweidimensionalen Darstellung (vergleiche Mercator-Projektion), der in Karten immer auch notwendigen Generalisierung und dem damit einhergehenden Auswählen von Informationen bis hin zur bewussten Falschdarstellung wird in Karten Raum immer konstruiert. Für eine weitere Vertiefung bietet sich das Beispiel "Google Maps" an: Denn dort werden Landesgrenzen unterschiedlich angezeigt, je nachdem aus welchem Land der Kartendienst genutzt wird (vergleiche Artikel: "Grenzen wie sie gefallen").

Indem die Lernenden abschließend reflektiern, inwiefern die "Konstruktion" der Euregio Maas-Rhein Chancen und Risiken bietet, setzen sie sich zugleich damit auseinander, dass Karten und der in Karten konstruierte Raum immer auch ein bestimmtes Bild vermitteln und daher kritisch hinterfragt werden müssen. Zugleich reflektieren die Lernenden die Darstellung ihres Heimatraums.

20
In vielen Ländern ist es üblich, nicht Europa mittig zu setzen
§

Urheber: Reisio

https://de.wikipedia.org/wiki/Karte_(Kartografie)#/media/Datei:Map_projection-Eckert_IV.png

PD
1/3 -

Verkehrte Karte? Das, was in einer Karte im Zentrum oder am Rand dargestellt wird, sorgt für eine gewisse (subjektive) Wertung und für eine unterschiedliche Konstruktion von Raum.

21

Beim Erstellen von Karten muss die Wirklichkeit vereinfacht (= generalisiert), verkleinert und verebnet werden. Das bedeutet zwangsläufig, dass die Datenmenge reduziert werden muss, um die Karte übersichtlich und damit sinnvoll nutzbar zu machen. Je nachdem, auf welche Daten der Kartograf bewusst oder unbewusst verzichtet, kann die Aussageabsicht einer Karte verdeutlicht oder aber auch Fehlendes "verschleiert" werden. Auch eine bewusste Manipulation bei der Darstellung von Karten ist durch das Unterdrücken oder Hervorheben von Informationen möglich, ebenso die bewusste Falschdarstellung von einzelnen Aspekten.

Ein Beispiel hierfür wäre, dass zum Schutz von kritischer Infrastruktur auf einer entsprechenden Karte die Lage von Militärstützpunkten, Kraftwerken oder Sendemasten nicht exakt wiedergegeben wird. Bei der Nutzung von Karten solltest du deshalb immer auch kritisch hinterfragen, zu welchem Zweck eine Karte erstellt wurde und ob mit der Darstellung der Karte eine bestimmte Zielstellung verbunden ist. 

Hinweise für Lehrende

Zur folgenden Aufgabe

Aufbauend auf dem vorangegangen Unterkapitel sollen die Lernenden am Beispiel des Raumstrukturmodells der "Blauen Banane" nun eine weitere thematische Karte auswerten. In diesem Fall werden für die Bearbeitung der Aufgaben jedoch zusätzlich zur Karte externe Informationen benötigt. Diese werden von den Lernenden mittels einer Internetrecherche zusammengetragen. Dieses wirtschaftsgeografische Beispiel eignet sich in doppelter Hinsicht, um die Lernenden zum Beurteilen von Karten zu führen: Denn sowohl die "Blaue Banane" als theoretisches Raumstrukturmodell als auch die Darstellung der Euregio Maas-Rhein als quasi homogener Raum innerhalb der Karte können (und sollten) hinsichtlich ihrer tatsächlichen Aussagekraft und Richtigkeit kritisch hinterfragt werden.

Das Modell der Blauen Banane geht auf ein wirtschaftsgeografisches Modell des Franzosen Roger Brunet zurück, welches Europa in sogenannte Aktiv- und Passivräume untergliederte. In der Karte zeigt sich die Blaue Banane als ein dicht bevölkertes Band, das sich von London über Randstad Holland, Brüssel, Rhein-Ruhr, Rhein-Main, Rhein-Neckar, Oberrhein, Basel/Zürich bis nach Oberitalien (Mailand, Turin, Genua) erstreckt. Innerhalb dieses Gürtels befinden sich nicht nur wichtige Produktionsstätten, sondern auch fünf Hauptstädte sowie ein Großteil der institutionellen Zentren der Europäischen Union (EU). Neben der hohen Bevölkerungsdichte zeichnet sich die Blaue Banane somit auch durch eine besondere wirtschaftliche Stärke aus und kann entsprechend als Gunstraum mit positiven Entwicklungsaussichten innerhalb Europas betrachtet werden. Das Modell der Blauen Banane wurde im Laufe der Jahre um weitere Achsen ergänzt, beispielsweise die "Goldene Banane" entlang der Mittelmeerküste oder die "Gelbe Banane" als weiterer wachstumsstarker Raum, der sich bogenförmig vom Großraum Paris über das Rhein-Ruhrgebiet bis nach Berlin und weiter in Richtung Osten erstreckt.

Die Euregio Maas-Rhein liegt einerseits in der Blauen Banane, andererseits in der Gelben Banane.

Aufgrund der Lage der Euregio Maas-Rhein gewissermaßen im Schnittpunkt zweier Entwicklungsachsen (Blaue Banane & Gelbe Banane) ist für die Euregio Maas-Rhein eine positive wirtschaftliche Entwicklung zu erwarten.

Jedoch muss bei der Einschätzung der zukünftigen Entwicklungsperspektive der Euregio Maas-Rhein anhand dieser Karte berücksichtigt werden, dass es sich zum einen bei der Blauen Banane um ein theoretisches Modell handelt, das nicht für jeden Ort innerhalb der Entwicklungsachsen dieselben wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen bedingt. Zum anderen muss berücksichtigt werden, dass die Euregio Maas-Rhein kein in sich homogener Raum ist, sondern räumlich differenziert betrachtet werden muss. Denn innerhalb der Euregio Maas-Rhein gibt es Regionen, die stärker auf die Globalisierung ausgerichtet und global eingebunden sind als andere. Zur Vertiefung dieser komplexen Thematik bietet sich das Kapitel Globalisierung an.

Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
22

Aufgabe

Entwicklungsperspektiven der Euregio Maas-Rhein

5.1 Arbeit mit Karten1. Vom Bild zur Karte2. Wie lese ich eine Karte?3. Wie bestimme ich Entfernungen in Karten?4. Wie werte ich topografische Karten aus?5. Wie werte ich thematische Karten aus?6. (Wie) konstruieren Karten Wirklichkeit?