Hast du dich schon mal gefragt, wo das Essen eigentlich herkommt, wenn du in einem Restaurant bist? Oder in einer Metzgerei Wurst und auf dem Wochenmarkt Gemüse einkaufst? Wie wird es hergestellt? Und gibt es bestimmte Lebensmittel eigentlich nur in der Gegend, in der du lebst? Dieses Kapitel geht diesen Fragen nach.
Landwirtschaft stellt als primärer Sektor einen der ältesten und wichtigsten Wirtschaftsbereiche dar. Sie beschreibt letztlich die agrarwirtschaftlichen Nutzungsformen der Erdoberfläche. Fast ein Drittel der Euregio-Maas-Rhein-Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, die Landwirtschaft determiniert somit den Raum. Dabei wird der Raum einerseits direkt durch den Menschen verändert, beispielsweise im Ackerbau, aber auch indirekt vom Menschen genutzt, beispielsweise in der Viehzucht. Hierbei kann unterschieden werden, ob der Mensch aktiv in die naturräumlichen Gegebenheiten eingreift und diese für seine Maßstäbe verändert oder ob eine Form der naturräumlichen Pflege und des Erhalts stattfindet. Eine weitere Determinante ist die gleichzeitige Abhängigkeit des landwirtschaftlichen Raumes von geomorphologischen und klimatischen Gegebenheiten. Hierbei wird letztlich die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt deutlich, aber auch die Abhängigkeit des Menschen von den regionalen Gegebenheiten. Das Kapitel verdeutlicht einerseits die naturräumlichen Determinanten, verschiedene Nutzungsformen und deren Auswirkungen auf die Umwelt sowie Formen der Landwirtschaft, welche sich von umwelttechnischen Gegebenheiten unabhängiger machen möchten. Anhand von Beispielen erkennen die Lernenden die Zusammenhänge, Determinanten und die Wechselbeziehungen zwischen einem Wirtschaftszweig und der Umwelt im Raum. Im Weiteren lernen sie die Wechselbeziehungen zwischen primären und tertiären Sektor kennen, indem Pfadabhängigkeiten demonstriert werden, Verarbeitungsprozesse aufgezeigt und ein direkter Alltagsbezug hergestellt wird.
Ziele
Das Ziel des Kapitels ist es, dass die Lernenden ein Bewusstsein für Determinanten der landwirtschaftlichen Nutzung von Räumen der Euregio Maas-Rhein sowie der Produktion dort erlangen, den Regionalitätsbegriff kennenlernen und sich mit regionalen Produkten und ihrer Weiterverarbeitung und Vermarktung beschäftigen. Dabei sollen die Lernenden einen direkten Bezug ihres Alltags zum primären Sektor erkennen sowie dessen Bedeutung für Mensch-Umwelt-Beziehungen.
Kompetenzen
Folgende Kompetenzen werden gefördert:
die Fähigkeit, Mensch-Umwelt-Beziehungen in Räumen unterschiedlicher Art und Größe zu analysieren
die Kenntnis von geografisch/geowissenschaftlich relevanten Informationsquellen, -formen und -strategien
die Fähigkeit, Informationen zur Behandlung von geografischen/geowissenschaftlichen Fragestellungen zu gewinnen
die Fähigkeit, Informationen zur Behandlung geografischer/geowissenschaftlicher Fragestellungen auszuwerten
Basiskonzepte
Der Inhalt des Kapitels 4.1 ist auf der human- und physischgeografischen Ebene zu verorten, insbesondere auf dem Schnittpunkt Mensch-Umwelt-Beziehungen. Es bewegt sich dabei vorwiegend auf der regionalen Ebene und hat lokale Anteile. Zudem werden die drei Basiskonzepte von Funktion, Prozess und Struktur bedient. Ersteres durch die Bedeutung und Relevanz der Landwirtschaft für unsere Gesellschaft, aber auch die Auswirkung auf den Raum. Zweiteres durch den Blick auf die Weiterverarbeitung von Produkten und der Entwicklung der Landwirtschaft in der Euregio Maas-Rhein. Letzteres durch eine strukturelle Aufgliederung naturräumlicher Gegebenheiten sowie verschiedener landwirtschaftlicher Nutzungsformen.
1. Rahmenbedingungen der Landwirtschaft in der Euregio Maas-Rhein
2
Die Euregio Maas-Rhein ist ein landwirtschaftlich vielfältig genutzter Raum. Hier werden ganz unterschiedliche Produkte angebaut und hergestellt. Aber nicht alles kann überall produziert werden.
Bodenverhältnisse und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft
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Landwirtschaft und Böden
Böden Zusatzinfo
Landwirtschaft und Böden
Böden Zusatzinfo
Sprachhilfe zu Element 4
Worterklärungen
Bodenverhältnisse
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Aufgabe
Landwirtschaft und Böden
1Informiere dich über die Bodentypen in der EMR anhand der Karte oben. Ordne dann die Wörter im Lückentext unten richtig zu.
2Erkläre in eigenen Worten und mit Bezug auf die Bodentypen der EMR, warum an bestimmten Stellen Getreide angebaut wird und an anderen Forstwirtschaft betrieben wird.
Aufgabe
Landwirtschaft und Böden
1Informiere dich über die Bodentypen in der EMR anhand der Karte oben. Ordne dann die Wörter im Lückentext unten richtig zu.
2Warum wird Getreide in der EMR vor allem in der Mitte angebaut und nicht so sehr im Süden und Norden? Beantworte die Frage und beziehe dich dabei auf den Inhalt des Lückentextes.
Aufgabe
Landwirtschaft und Böden
1Informiere dich über die Bodenarten, die in der EMR vorkommen anhand der Karte oben. Schreibe zu jedem Bodentyp einen Satz, in dem du den Namen nennst und seine Eignung für die Landwirtschaft in eigenen Worten beschreibst.
2Warum werden bestimmte Gebiete für bestimmte Anbauformen gewählt? Vergleich die Karten in den beiden Tabs oben und erkläre dann anhand eines Beispiels aus der Anbaugebietskarte den Einfluss, den Bodentypen auf die Landwirtschaft haben.
Naturräume in der EMR
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Sprachhilfe zu Element 6
Worterklärungen
In manchen Texten sind schwierige Wörter zu finden. Nutze Online-Wörterbücher als Unterstützung, wenn du Hilfe beim Verstehen von Wörtern brauchst. Probiere mal Linguee, dict.cc oder DeepL. Suche zum Beispiel diese Wörter:
Naturraum
Bodenart
Bodenform
naturräumliche Verhältnisse
Naturräume
Hinweise für Lehrende
Zur folgenden Aufgabe
In dieser Aufgabe sollen die SuS zunächst einfach die nicht ganz einfachen Infotexte aus den Clickpoints verstehen. Die Anwendungen auf die in der Galerie aufgeführten Produkte ist in unterschiedlichen Naturräumen unterschiedlich schwierig. Das Hespengau eignet sich besonders gut, da hier die meisten Produkte im Text namentlich genannt werden.
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Aufgabe
Was kommt woher?
Wähle in der Clickpoint-Karte oben einen Naturraum aus. Lies dann den Infotext zu diesem Naturraum und beantworte mit Hilfe von Informationen aus dem bisherigen Kapitel folgende Fragen:
1Welche Produkte aus der Galerie in Element 3 können in deinem Naturraum angebaut/produziert werden?
2Welchen Einfluss haben die Böden in deinem Naturraum auf die Landwirtschaft?
Aufgabe
Was kommt woher?
Wähle in der Clickpoint-Karte oben das Hespengau aus und lies den Infotext dazu. Nenne dann die Produkte aus der Galerie in Element 3, die im Hespengau angebaut/produziert werden können.
Aufgabe
Was kommt woher?
Wähle in der Clickpoint-Karte oben einen Naturraum aus. Lies dann den Infotext zu diesem Naturraum und beantworte mit Hilfe von Informationen aus dem bisherigen Kapitel folgende Fragen:
1Welche Produkte aus der Galerie in Element 3 können in deinem Naturraum angebaut/produziert werden?
2Welchen Einfluss haben die Böden in deinem Naturraum auf die Landwirtschaft?
Bodenverhältnisse im belgischen Teil der Euregio Maas-Rhein
Gut für die Landwirtschaft – ein Klumpen Lössboden
In den einzelnen Regionen, die die Euregio Maas-Rhein (EMR) bilden, gibt es zum Teil sehr unterschiedliche Verhältnisse für die Landwirtschaft. Das zeigt sich anhand der Oberflächenstrukturen, an den Bodenverhältnissen oder auch an den üblichen Wetterlagen. In der Provinz Lüttich gibt es kaum sandig-lehmige oder sandige Böden. In der Provinz Limburg (B) gibt es hingegen keine Mittelgebirgslandschaften. Von den fruchtbaren und ertragreichen Lössböden Mittelbelgiens reicht nur ein kleiner Teil nach Limburg.
Aber nicht alle Unterschiede hängen an den Umweltbedingungen. In den wallonischen Landesteilen Belgiens bewirtschaften die Betriebe traditionell größere Flächen (44 ha/Betrieb) als in Flandern (18 ha/Betrieb). In der Wallonie hat die "Grande Culture" auf großen Ackerflächen mit dem Anbau etwa von Getreide, Zuckerrüben oder Ölpflanzen (z.B. Raps und Sonnenblumen) eine lange Tradition. In Flandern hingegen sind kleinteiligere Betriebe mit sogenannten Sonderkulturen vorherrschend. Diesen Unterschied kann man auch in der EMR zwischen dem flämischen Limburg und der wallonischen Provinz Lüttich feststellen.
Gut für die Landwirtschaft – ein Klumpen Lössboden
In der Euregio Maas-Rhein gibt es sehr unterschiedliche Verhältnisse für die Landwirtschaft. In der Provinz Lüttich gibt es kaum sandige Böden. In der Provinz Limburg (B) gibt es hingegen keine Mittelgebirgslandschaften. Von den fruchtbaren und ertragreichen Lössböden Mittelbelgiens reicht nur ein kleiner Teil nach Limburg.
Aber nicht alle Unterschiede hängen an den Umweltbedingungen. In den südlichen Landesteilen Belgiens haben die Bauernhöfe traditionell größere Felder als im nördlichen Flandern. Auf größeren Feldern kann man besser Pflanzen wie Getreide, Zuckerrüben oder Raps anbauen, während es sich für kleinere Betriebe oft eher lohnt, sich auf sogenannte Sonderkulturen (z.B. Blumen) zu konzentrieren. Diesen Unterschied kann man auch in der EMR zwischen dem flämischen Limburg (mehr kleine Betriebe) und der wallonischen Provinz Lüttich (mehr größerer Betrieben) feststellen.
Oberflächenstrukturen: Die Form/das Aussehen der obersten Schicht (Oberfläche).
Wetterlage: Der Zustand des Wetter zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Gebiet.
Mittelgebirge: Ein Gebirge, das eine bestimmte Höhe nicht überschreitet, aber auch eine gewisse Mindesthöhe aufweist.
ertragreich: Es bringt eine gute Ernte
Umweltbedingungen: Ein bestimmter Zustand, der durch die Umwelt herbeigeführt wird.
Sonderkulturen: Von der Landwirtschaft angebaute Pflanzen, die nicht überall angebaut werden können, da sie besondere Standortbedingungen benötigen und ihre Produktion auch kosten- und zeitintensiver ist.
Wetterverhältnisse und Landwirtschaft
Die Hauptwindrichtungen, Niederschlagssummen und klimatischen Verhältnisse in der Euregio Maas-Rhein
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Windrichtung
Klima Lüttich
Klima Aachen
Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren§
1Die im Durchschnitt vorherrschende Windrichtung in der EMR ist Wind aus Nordwesten. Bestimme mithilfe der Karte oben, ob heute ein typischer oder untypischer Wind in der EMR weht.
2Nenne jeweils eine Gemeinsamkeit und einen regionalen Unterschied der Niederschlagsverhältnisse in der EMR.
Aufgabe
Wind und Niederschlag
1Die im Durchschnitt vorherrschende Windrichtung in der EMR ist Wind aus Nordwesten. Bestimme mithilfe der Karte oben, ob heute ein typischer oder untypischer Wind in der EMR weht.
2Nenne jeweils eine Gemeinsamkeit und einen regionalen Unterschied der Niederschlagsverhältnisse in der EMR.
3Beschreibe die Niederschlagsverhältnisse innerhalb der EMR im europäischen Vergleich.
Aufgabe
Wind und Niederschlag
1Die im Durchschnitt vorherrschende Windrichtung in der EMR ist Wind aus Nordwesten. Bestimme mithilfe der Karte oben, ob heute ein typischer oder untypischer Wind in der EMR weht.
2Schreibe zwei Sätze zu den Niederschlagsverhältnissen in der EMR.
1Schreibe einen Satz darüber, wie die Niederschlagsverhältnisse in der EMR insgesamt sind.
2Schreibe einen Satz über einen Unterschied in den Niederschlagsverhältnisse innerhalb der EMR.
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Wenn du dich näher über die Einzelheiten der Wetter- und Klimaverhältnisse informieren willst, kannst du das im Kapitel 2.4 tun.
Wetterverhältnisse in den Mittelgebirgsregionen
Externer Inhalt, hier klicken um fortzufahren
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Zur Euregio Maas-Rhein gehören im Süden Teile der Ardennen und der Eifel. In diesen Mittelgebirgsregionen sind mehr als 50 % der Flächen bewaldet. Von der für die Landwirtschaft genutzten Fläche in dieser Gegend ist der überwiegende Teil Grünland (Wiesen und Weiden). Daher ist die Tierhaltung dort sehr verbreitet. Das eher raue Klima (höhere Windstärken, niedrigere Temperaturen) und die Bodenbeschaffenheit eignen sich weniger für den Anbau von Getreide oder industriell verwertbaren Pflanzen (dieser kommt vereinzelt in geschützteren Tallagen vor). Ein Beispiel: Von den etwa 1.500 landwirtschaftlichen Betrieben in der Ardennenregion waren im Jahr 2020 etwa 57 % auf die Haltung von Rindern für die Fleischproduktion spezialisiert. Etwa 20 % der Betriebe kombinieren Milch- und Fleischherstellung.
Boden, Landschaft und Wetter und ihre Wirkungen auf die Landwirtschaft
1Beschreibe deine Heimatregion in Hinblick auf Klima und Bodenverhältnisse. Nutze dafür Informationen aus dem Kapitel und/oder suche selbst nach weiteren Informationen.
2Recherchiere nach einem landwirtschaftlichen Betrieb aus deiner Umgebung (z.B. auf dem Wochenmarkt oder im Internet).
Nenne die Produkte, die der Betrieb anbaut/herstellt.
Erkläre, warum diese Produkte typisch für deine Region sind oderwarum sie untypisch für deine Region sind.
Beziehe dich in beiden Fällen auf deine Antwort in Teil 1.
Boden, Landschaft und Wetter und ihre Wirkungen auf die Landwirtschaft
1Beschreibe deine Heimatregion in Hinblick auf Klima und Bodenverhältnisse. Nutze dafür Informationen aus dem Kapitel und/oder recherchiere selbst.
2Gruppenaufgabe: Bereitet als Kleingruppe oder in der Klasse ein Interview mit einem Landwirt oder einer Landwirtin aus eurer Umgebung vor, in dem ihr ihn/sie dazu befragt, welche Produkte er/sie anbaut/herstellt und warum er/sie sich genau für diese Produkte entschieden hat. Geht bei euren Fragen auf die in diesem Kapitel bisher aufgeführten Themen ein.
3Findet einen Interviewpartner (z.B. auf dem Wochenmarkt) und befragt ihn/sie.
Aufgabe
Boden, Landschaft und Wetter und ihre Wirkungen auf die Landwirtschaft
1Beschreibe deine Heimatregion in Hinblick auf Klima und Bodenverhältnisse. Nutze dafür Informationen aus dem Kapitel und/oder recherchiere selbst.
2Nenne ein landwirtschaftliches Produkt, für das diese Verhältnisse vorteilhaft sind oder erkläre, warum deine Region für kein landwirtschaftliches Produkt vorteilhafte Bedingungen bietet.
Sprachhilfe zu Element 13
Online-Wörterbuch
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00:0000:00Beispielinterview: Lokale Produktion von Lebensmitteln am Beispiel vom Hof "Gut Poch" und Hofladen Bonnie.§PD
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Aufgabe
Welche Rinder?
Aufgabe
Welche Rinder?
Aufgabe
Welche Rinder?
1Beantworte die Frage unten.
2Recherchiere selbstständig den Begriff "Mutterkuhherde" und erkläre ihn in eigenen Worten.
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Vertiefung
Sonderkulturen in der Euregio Maas-Rhein
Landwirtschaftliche Sonderkulturen sind Pflanzenarten oder -sorten, die spezielle Anforderungen haben und in der Landwirtschaft gezielt angebaut werden. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Hauptkulturen wie z.B. Getreide, die auf großen Flächen angebaut werden, wachsen Sonderkulturen meist kleinräumiger. Sie haben oft sehr spezielle Wachstumsanforderungen und benötigen besondere Bedingungen, um optimal zu gedeihen. Das kann zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit, das Klima, die Bewässerung oder den Schutz vor Schädlingen betreffen. Die Landwirte müssen sich daher intensiver mit den Anbau- und Pflegemethoden dieser Kulturen auseinandersetzen.
Schon die Römer bauten im Maastal Wein an und heute wird er dort immer noch angebaut. Weinstöcke sind allerdings sehr anspruchsvolle Pflanzen, weshalb man sie nur in ganz bestimmten Gegenden anbauen kann, zumindest, wenn daran schmackhafte Trauben wachsen sollen. Sie brauchen gute Böden, Hanglagen, genug Sonne und geschützte Windverhältnisse. In der EMR gibt es nur ein paar Orte, an denen die Bedingungen für den Weinanbau gut genug sind.
00:0000:00Der Text oben als Audiospur§PD
Sprachhilfe zu Element 16
Worterklärung
kleinräumiger: betrifft nur ein kleines Gebiet.
Wachstumsanforderungen: bestimmte Verhältnisse müssen vorliegen, damit eine Pflanze wächst.
Bodenbeschaffenheit: die Zusammensetzung des Bodens.
Schädlinge: Das sind Tiere oder Pflanzen, die dem Menschen in besonderer Weise schaden, zum Bespiel beschädigen sie angebautes Obst.
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Vertiefung
Selber Wetter machen – Landwirtschaft im Gewächshaus
2. Landwirtschaftliche Nutzungen vergleichen
Hinweise für Lehrende
Zur folgenden Aufgabe
Bei dieser Aufgabe kommt es darauf an, dass Lernende das geographische Sehen lernen. Es lässt sich etwa Folgendes feststellen:
Genutzte Landflächen haben regelmäßige, kantige oder runde, geschwungene Formen.
Genutzte Landflächen haben unterschiedliche Farben.
Feldraine sind mit Bäumen und Hecken bepflanzt oder nicht.
Auf den Flächen stehen Bäume/Baumgruppen oder nicht.
Bebauungen (Häuser; Höfe etc.) sind klar oder weniger eindeutig von den Nutzflächen getrennt.
Die Erkundung dieser Einzelelemente auf den Bildern bildet die Grundlage für fundierte Fragen an die Art der landwirtschaftlichen Nutzung:
Deuten die regelmäßigen Flächen auf die Nutzung als Ackerflächen, Weiden oder Forsten hin?
Sind die unterschiedlichen Farben Hinweise auf Nutzungen für unterschiedliche Kulturpflanzen wie Getreide, Hackfrüchte, Hülsenfrüchte oder auch Futtermittel?
Etc.
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Landwirtschaft um St. Vith
Landwirtschaft im Hespengau
Landwirtschaft im Herver Land
§PD
§PD
§PD
Landwirtschaft um St. Vith
Landwirtschaft im Hespengau
Landwirtschaft im Herver Land
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Aufgabe
Unterschiede in der Nutzung der landwirtschaftlichen Nutzflächen
In der Euregio Maas-Rhein gibt es unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungen der Flächen. In Element 18 siehst du drei Beispiele: die Gegend im Süden Ostbelgiens (St. Vith), den Hespengau (westlich von Lüttich) und das Herver Land.
1Beschreibe die Unterschiede in den Flächen auf den drei Bildern (Farben, Formen, Wege).
2Stelle auf der Grundlage der jeweiligen Beschreibungen Vermutungen über die Art der Nutzung an (Weiden für Tierzucht, Ackerbau, Obstbau).
3Recherchiere Informationen über die Landwirtschaft in den genannten Regionen und vergleiche diese mit deinen Vermutungen.
Aufgabe
Unterschiede in der Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen
In der Euregio Maas-Rhein gibt es unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungen der Flächen. In Element 18 siehst du drei Beispiele aus drei unterschiedlichen Gegenden der Euregio Maas Rhein.
1Beschreibe die Unterschiede in den Flächen auf den drei Bildern (Farben, Formen, Wege).
2Stelle auf der Grundlage der jeweiligen Beschreibungen Vermutungen über die Art der Nutzung an: - Wird das Land für Weide für Tiere genutzt, z.B. für Rinder? - Werden Felder bestellt, z.B. mit Weizen? - Ist hier Obstbau möglich? - Gibt es auch andere Nutzungen wie beispielsweise Waldwirtschaft (Forst)?
Landwirtschaftliche Nutzfläche und angebaute Kulturen in Ostbelgien
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Ostbelgien hat in den letzten Jahren stark abgenommen. Noch im Jahr 1980 wurden 2.729 Betriebe gezählt. Im Jahr 2008 waren es hingegen nur noch 835 und 2021 schließlich 596 Unternehmen. (Daten zusammengestellt aus: https://ostbelgienstatistik.be/desktopdefault.aspx/tabid-3729/6734_read-38807/ [12.12.2022].)
Hinweise für Lehrende
Zur folgenden Aufgabe
Die Lernenden können zu folgenden Erkenntnissen kommen:
Darstellung der Informationen aus der Übersicht: - Rückgang der Betriebszahl im ganzen Kanton St. Vith um etwa 28,5%. - stärkster Rückgang etwa zwischen 2008 und 2014 - Trend ist langfristig: 1980 waren es noch mehr als 4-mal so viele Betriebe.
Der Rückgang der Anzahl der Betriebe bedeutet nicht, dass weniger Landwirtschaft betrieben wird. Oftmals ändert sich die Art der Betriebe und der Betriebsführung. Einflussfaktoren sind: - Betriebsgröße - Anzahl der Beschäftigten je Betrieb - Einsatz von Technik
Zur Änderung der Landwirtschaft: - Betriebsflächen werden größer: Information zu Deutschland hier: "Damit bewirtschaften 14 % aller Betriebe 62 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche [...]." - Umstellung auf den ökologischen Landbau: Information hier: "Die Zahl der Ökobetriebe nahm gegenüber 2010 um rund 9900 (+60 %) zu."
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Aufgabe
Weniger Landwirtschaftsbetriebe = weniger Landwirtschaft?
1Erkläre anhand der Übersicht "Landwirtschaftliche Betriebe Ostbelgiens" die Entwicklung der Anzahl der Betriebe im Süden Ostbelgiens.
2Diskutiere in Partnerarbeit mögliche Ursachen für den Rückgang.
3Befrage deine Lehrerin/deinen Lehrer nach den Ursachen für den Rückgang und notiere diese stichpunktartig.
Aufgabe
Weniger Landwirtschaftsbetriebe = weniger Landwirtschaft?
1Stelle die Angaben der Übersicht "Landwirtschaftliche Betriebe Ostbelgiens" mit eigenen Worten dar.
3Beurteile die Angaben der Übersicht entlang der Frage, wie sich die Landwirtschaft in der Ostbelgien ändert.
Aufgabe
Weniger Landwirtschaftsbetriebe = weniger Landwirtschaft?
Sieh dir die Tabelle in Element 19 an und beschreibe in eigenen Worten die Entwicklung, die durch dortigen Zahlen dargestellt wird.
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Ostbelgien
ist eine Landwirtschaftsregion. Etwa ein Drittel der Fläche des Landes wird
landwirtschaftlich genutzt. Dabei sind Acker- und Weideflächen, Gartenbauland
und Obstbauflächen zusammengerechnet. Die Fläche umfasst insgesamt knapp 30.000
ha. Fast 90 % der Fläche ist Grünland, das vor allem für
die Tierhaltung genutzt wird. Nur etwas mehr als 10 % sind Ackerfläche,
wobei etwa 7,7 % für den Futteranbau genutzt wird.
Ostbelgien (und die gesamte EMR) zeichnet sich durch spezifische landwirtschaftliche Produkte aus, die der Region eine unverwechselbare Prägung geben. Die bekannten Produkte der Region finden sich auch in den Gerichten wieder, die in der Region häufig und gerne gegessen werden.
Ardenner Schinken – das Fleisch kommt von regionalen Schweinen und Holz zum Räuchern gibt es in den Ardennen auch.
2/6 -
Chèvre Chaud – warmer Ziegenkäse aus der Region mit Brot und Salat
3/6 -
Forelle aus einem der vielen Flüssen und Seen der Region, hier mit Stampfkartoffeln und Salat
4/6 -
Lütticher Buletten – das Fleisch kommt hoffentlich von Rindern und Schweinen aus der Region, was aber noch wichtiger ist: Die Soße braucht Sirup aus den regionalen Äpfeln.
5/6 -
Russischer Salat, eine Spezialität aus Malmedy – der Hering kommt vielleicht aus der Nordsee, aber die für die typische Farbe verantwortliche Rote Beete wächst in der Region.
6/6 -
Der Limburger Vlaai – die meisten Grundzutaten (Mehl, Butter, Milch, Zucker und Obst für die Füllung) gibt es aus regionaler Herstellung.
Hinweise für Lehrende
Ökologische Tierhaltung
Die folgenden Elemente sollen den Unterschied zwischen der sogenannten konventionellen und ökologischen Tierhaltung verdeutlichen. Dabei geht es zunächst darum, Kriterien kennenzulernen, die den Unterschied kenntlich machen:
Effektivitätsdenken (Quantität und Qualität) vermarktbarer Produkte
Einsatz mineralischer Düngemittel, industriell hergestellter Pflanzenschutzmittel sowie Arzneimittel
geschlossene Betriebskreisläufe
Verhältnis von Pflanzen- und Tierproduktion (Tiere pro Flächeneinheit)
Haltungsbedingungen von Tieren
etc.
Die Inhalte des Kastens "Vertiefung" beschreiben ein Beispiel für eine veränderte und Kriterien ökologischer Landwirtschaft aufgreifende Wirtschaftsform in Ostbelgien:
Achtung der Tiere als Lebewesen (Umgang mit Althennen)
artgerechte Tierhaltung (täglicher Auslauf auf Wiesen)
hochwertige Futtermittel
Bei diesen Kriterien der Geflügelhaltung bieten sich ein Unterrichtsgespräch und weitere Recherchen an, um die Informationen zu vertiefen: Welche Vorgaben für artgerechte Haltung gibt es für Geflügel? Was genau versteht man unter hochwertigen Futtermitteln? Etc. Bei der Erhebung zusätzlicher Daten/Informationen können die Hofbetreiber eventuell auch einbezogen werden.
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Definition
Konventionelle und ökologische Landwirtschaft
Was bedeutet konventionelle Landwirtschaft?
In der konventionellen Landwirtschaft steht ein hoher Ertrag im Vordergrund. Das bedeutet, dass neben natürlichen Düngern wie Gülle auch Kunstdünger eingesetzt werden, damit Pflanzen nicht nur möglichst schnell und zahlreich wachsen, sondern auch Böden genutzt werden können, die nicht immer ideal für den Anbau geeignet sind. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass Dünger ins Grundwasser und somit in andere Gewässer gelangt. Es werden meist wenige Sorten in schnellem Wechsel angebaut ohne Zwischenfrüchte in der Fruchtfolge. Durch die Spezialisierung auf eine oder wenige Nutzpflanzen müssen weniger Geräte angeschafft werden, jedoch besteht auch ein größeres Risiko für Schädlingsbefall. Bei Letzterem kommen dadurch oft Pestizide zum Einsatz, um die Ernte zu sichern. Zur Bearbeitung des Feldes werden meist große landwirtschaftliche Maschinen genutzt, um Arbeitskräfte und Zeit zu sparen – eine sogenannte Mechanisierung, welche jedoch auch eine Verdichtung des Bodens zur Folge haben kann. Diese Form der Bewirtschaftung eines Ackers wird auch intensive Landwirtschaft genannt.
Die konventionelle Landwirtschaft hat als Ziel, möglichst viel Ernte zu bekommen, und konzentriert sich meist auf Pflanzen, welche eine hohe Nachfrage haben. Hier stehen die Wirtschaft und das Kapital im Vordergrund.
Was bedeutet ökologische Landwirtschaft?
Bei der ökologischen Landwirtschaft steht ein nachhaltiger Anbau im Einklang mit der Natur im Vordergrund. Das bedeutet, dass die Böden so gut wie möglich geschont, aber auch versorgt werden sollen. Es darf ausschließlich natürlicher Dünger zum Einsatz kommen und auch der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, beispielsweise zur Schädlingsbekämpfung, ist nicht erlaubt. Für eine gute Bodenfruchtbarkeit ist hier die Einhaltung der Fruchtfolge sowie mehrere Gründüngerphasen sehr wichtig. Für den Anbau werden zudem größere Flächen benötigt. Die Bewirtschaftung der Flächen erfolgt in den meisten Fällen durch Arbeitskräfte und weniger durch große Landwirtschaftsmaschinen, um unter anderem den Boden zu entlasten. Diese Form des Anbaus wird auch extensive Landwirtschaft genannt. Durch den erhöhten Aufwand steigen dementsprechend die Preise für die meisten Produkte, was in manchen Fällen aber auch eine Steigerung der Qualität der Produkte mit sich bringt. Durch die oben genannten Maßnahmen soll der Eingriff in die Natur so gering wie möglich gehalten werden, um trotzdem eine Versorgung durch die Landwirtschaft zu ermöglichen. Im Supermarkt werden die Lebensmittel aus ökologischem Landbau meist mit entsprechendem Siegel wie beispielsweise "Bio" gekennzeichnet.
Ertrag: Eine bestimmte Menge von erzeugten Produkten nennt man Ertrag.
2/11 -
Gülle: Kot und Urin von Nutztieren wie Schweinen und Kühen – diese werden als natürlicher Dünger eingesetzt.
3/11 -
Kunstdünger: Dünger, der in chemischen und industriellen Verfahren hergestellt wird. Auf dem Foto siehst du Natriumnitrat, welches dem Boden den für viele Pflanzen wichtigen Nährstoff Stickstoff zuführt.
4/11 -
Grundwasser: Wasser, das sich unterhalb der Erdoberfläche befindet. Traditionelle Brunnen, wie der hier gezeigte, sind einfach Löcher, die so tief in die Erdoberfläche gegraben oder gebohrt werden, bis sie auf die Grundwasserschicht stoßen.
5/11 -
Zwischenfrüchte: Früchte, die nicht als Endprodukt sondern für weitere landwirtschaftliche Nutzung angebaut werden, meistens als Futterpflanze oder als natürlicher Bodendünger. Typische Zwischenfruchtpflanzen sind die Phaecelia (Foto) oder der Klee.
6/11 -
Schädlingsbefall: Typische Schädlinge sind Insekten wie die Blattlaus (Foto), die Pflanzen durch Fressschaden oder von ihnen übertragene Krankheiten schädigen. Neben Insekten gelten aber auch bestimmte andere Tiere sowie Pilze, Viren und Bakterien als Schädlinge.
7/11 -
Pestizide: Die Bezeichnung für Chemikalien und Mikroorganismen, die Schädlinge beseitigen bzw. diese in ihrem Wachstum hemmen.
8/11 -
Mechanisierung: Die Arbeitskraft der Menschen wird durch den Einsatz von Maschinen entweder ersetzt oder unterstützt, auf diesem Foto durch eine Melkmaschine.
9/11 -
Verdichtung des Bodens: Aufgrund schwerer Last (z.B. von großen Maschinen) verändert sich die Form des Bodens. Die Hohlräume zwischen den Erdpartikeln verschwinden und die Partikel selbst werden dichter zusammengedrückt.
10/11 -
Gründüngerphasen: Auf eine natürliche Art und Weise werden dem Boden wieder wichtige Nährstoffe zugeführt bzw. es werden wieder günstige Bedingungen für das Pflanzenwachstum hergestellt. Zum Beispiel können bei stark verdichtetem Boden Sonnenblumen gepflanzt werden. Durch ihre Wurzeln wird der Boden wieder gelockert.
11/11 -
Siegel: Ein Abdruck eines bestimmten Zeichens, das entweder für eine bestimmte Eigenschaft, Qualität oder auch Herkunft stehen kann. Bioprodukte werden mit einem Biosiegel gekennzeichnet.
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Erklärung
Konventionelle oder ökologische Tierhaltung
Die Viehwirtschaft beginnt auf dem Feld. Denn neben der Versorgung für uns Menschen ist dieses auch wichtig für die Futterproduktion für Nutztiere. Neben dem Ackerland wird hier auch in großen Teilen das Dauergrünland genutzt. Neben der direkten Haltung auf der Weide, also das Grasen für Tiere vor Ort, wird auch Heu oder Silage gewonnen. Silage beschreibt luftdicht verpacktes Gras, welches durch die ausgelöste Gärung auch für Wintermonate haltbar gemacht wird.
Zu den meisten Nutztieren gehören in der Euregio Maas-Rhein Schweine, Hühner und Rinder. Einerseits werden diese als Masttiere aufgezogen. Das bedeutet, dass diese geschlachtet werden und das Fleisch weiterverarbeitet beziehungsweise verkauft wird. Andererseits werden Hühner aber auch für die Eierproduktion und Rinder – oder genauer gesagt Kühe – für die Milchwirtschaft gehalten. Auch Schafe und Ziegen werden gehalten, um Fleisch, Wolle und Milch zu gewinnen.
Auch in der Viehwirtschaft gibt es verschiedene Möglichkeiten, Landwirtschaft zu betreiben. Während die konventionelle Landwirtschaft auch hier den wirtschaftlichen Erfolg als Hauptziel hat, versucht die ökologische Landwirtschaft, vermehrt auf Tierwohl und Umweltschutz zu achten.
In der konventionellen Landwirtschaft ist deshalb oft auch von Massentierhaltung die Rede. Denn Tiere werden meist auf engem Raum gehalten, um weniger Fläche zu verbrauchen beziehungsweise mehr Tiere halten zu können. Dabei können sich Krankheiten viel schneller ausbreiten, weshalb oft bereits vorsorglich Medikamente wie Antibiotika ins Futter gemischt werden. Für beispielsweise die Milchgewinnung kommen oft große Melkmaschinen zum Einsatz, sodass auch hier Arbeitskräfte nur in geringer Zahl notwendig sind. Futtermittel für die Tiere werden dabei meist von außen dazu gekauft und stammen eher selten aus eigenem Anbau, da auch hier oft eine reine Spezialisierung auf beispielsweise die Milchwirtschaft liegt.
In der ökologischen Landwirtschaft steht eher ein geschlossener Betriebskreislauf im Vordergrund. Hier werden die Futtermittel meist selbst vom Betrieb durch ökologischen Ackerbau erzeugt. Es darf nur eine kleine Anzahl von Tieren pro Flächeneinheit gehalten werden, sodass für Auslauf gesorgt werden kann. Die Tiere ernähren sich dabei im Falle von Kühen in den Sommermonaten direkt von den Wiesen und bekommen nur in Wintermonaten im Stall das vom Sommer aufbereitete Heu oder die Silage. Der Tiermist wird dabei direkt auf die eigenen Felder verteilt, um die Bodenfruchtbarkeit für einen besseren Ackerbau zu fördern.
Der Betrieb in Kettenis verdeutlicht ein Konzept, das in vielen Regionen mit einer stärker regionalen Verankerung und Produktionsweise zu beobachten ist:
enge Verbindung von Mensch und Tier
Produktion mit regionalen Futtermitteln und anderen Rohstoffen
Verbindung mehrerer Angebote, die sich direkt an Kunden wenden: Käse- und Milchproduktion, regionale und Direktvermarktung (Hofladen), Gastronomie, Spielangebote für Kinder etc.
Seit dem Jahr 2013 werden die landwirtschaftlichen Produkte Ostbelgiens auch unter der Marke "Made in Ostbelgien" vermarktet. Aspekte wie Regionalität und regionaler Geschmack, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Gesundheit und Lebensart spielen dabei eine wichtige Rolle. Das Label "Made in Ostbelgien" soll auch die Sichtbarkeit der Region als solche erhöhen und die Chancen für die Vermarktung ihrer Produkte in der Umgebung, aber auch international erhöhen. 2021 hatten sich etwa 30 Produzenten und Partner aus dem Lebensmittelbereich unter dem Label zusammengeschlossen. Fast 100 Produkte haben dieses Label bekommen.
Regional – natürlich – besonders: Viele landwirtschaftliche Betriebe in Ostbelgien bemühen sich, Produkte herzustellen, die den Reiz des Außergewöhnlichen auf die Kunden ausüben. "Natürlich Hunger" – ein Betrieb in Kettenis, der Ziegen hält und die Milch weiterverarbeitet.
2/4 -
Ziegenmilch und -käse, Eier und andere Produkte werden auf dem Hof produziert
3/4 -
Der Landwirtschaftsbetrieb Steinshof in der Nähe von Raeren ist bekannt geworden für die Aufzucht von Hühnern. Die Produkte werden auch mit modernen Mitteln vermarktet.
4/4 -
Zur regionalen Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte passen auch andere regionale Initiativen zur Stärkung von Nachhaltigkeit, Klimaneutralität usw. Mehr Informationen zu Fairtrade in der Region findet man hier.
Sprachhilfe zu Element 28 & 29
Worterklärung
Marke: Eine Marke sind Symbole, Schriftzeichen, Begriffe, Designs oder eine Kombination aus allem. Diese kennzeichnen die Produkte eines Unternehmens und machen sie auf diese Weise von der Konkurrenz unterscheidbar.
vermarktet: ein Produkt anbieten, bewerben.
Klimaneutralität: Das menschliche Handeln hat für das Klima keine Auswirkungen.
Fairtrade: Steht für einen kontrollierten Handel, bei dem unter anderem der Erzeuger einen gewissen Mindestlohn erhält. Gesteuert wird dies von einer Fairtrade-Organisation.
4. Andere Gegend, andere Landwirtschaft: das Weser-Maas-Land
Regionale Bezeichnungen der Teile des Herver Landes
Das Weser-Maas-Land oder auch Herver Land befindet sich im Zentrum der Euregio Maas-Rhein und im nordöstlichen Teil der Provinz Lüttich. Es ist eine mittelhohe Ebene, die westlich und südlich von den Flüssen Maas und Weser begrenzt wird. Zahlreiche kleinere Bäche und Flüsse (zum Beispiel Zuflüsse der Weser) durchziehen das Land. Das Herver Land ist eine hügelige, grüne Landschaft. Ihre landwirtschaftlichen Nutzflächen durchziehen kleinere Waldgebiete und werden immer wieder von Hecken und Hohlwegen begrenzt. Diese Landschaft ist ansonsten eher typisch für westeuropäische Gegenden in Schottland oder Irland.
Die für das Weser-Maas-Gebiet charakteristischen Hecken gibt es schon sehr lange. Als sie im 16., 17. und 18. Jahrhundert angelegt wurden, dienten sie dazu, die Weideflächen abzugrenzen und die Tiere auf diesen Weideflächen festzuhalten. Es wurden verschiedene Arten gepflanzt, zum Beispiel Schlehdorn, Hasel und Hainbuche. Die Hecken dienten auch dazu, die Bodenerosion zu vermindern und die wertvollen oberen Bodenschichten im Gebiet zu halten.
Der dichte Wechsel aus Obstgärten, Hecken, Wald- und Weideland bietet vielen Tieren einen idealen Lebensraum: Vögeln, Insekten, kleinen Reptilien, Mäusen usw. Die Lebenskreisläufe von Pflanzen und Tierarten greifen ineinander: Abgestorbene Weiden bieten Nist- und Schutzbereiche für Vögel, die sich von Insekten ernähren usw.
Das Herver Land, Land van Herve (nl.) oder auch Pays de Herve (frz.) bezeichnet 'die Gegend um den Ort Herve'. Es ist eine Kulturlandschaft, die sich geographisch beschreiben und eingrenzen lässt: Sie liegt zwischen Weser und Maas, an den Grenzen von Deutschland und den Niederlanden usw. Menschen haben jedoch mitunter sehr unterschiedliche Eindrücke von den Gegenden, in denen sie leben oder die zu ihrer Region/ihrem Land gehören. Das trifft auch auf das Weser-Maas-Gebiet zu. Mitunter wird es in Karten auch sehr unterschiedlich dargestellt, etwa mit unterschiedlichen Grenzverläufen.
Das sagen Menschen aus der Euregio Maas-Rhein über das Weser-Maas-Gebiet:
„Die Weser sagt der Bevölkerung von Blegny nicht viel, die Weser wird eher mit Verviers in Verbindung gebracht, das nicht auf ihrem natürlichen Lauf liegt. Sie geht vielmehr Richtung Visé und Lüttich.“
„Das Weser-Maas-Land ist zu ausgedehnt, es ist ein Niemandsland.“
„Es wäre zu verallgemeinernd zu sagen, das Weser-Maas-Land (…) sagt mir überhaupt nichts.“
„Es gibt viele verschiedene Identitäten. Es gibt viele Unterschiede hinsichtlich Sprache, Kultur und Volksbrauch.“
Die "Bocage" – typisches Landschaftmserkmal des Herver Landes
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Hecken, Kühe, Wiesen, Weiden und Obstgärten – diese Bilder sind typisch für große Teile des Herver Landes. Diese Heckenlandschaft wird im Französischen „Bocage“ genannt. Die Bocage besteht aus kleinen landwirtschaftlichen Einheiten, die von Hecken und Büschen sowie mehr oder weniger durchgehenden Reihen von wilden Bäumen, Sträuchern oder Obstbäumen umgeben sind. Diese Vegetation bildet dabei nicht nur natürliche Grenzen der Nutzflächen, sie ist auch ein wichtiger Lebensraum für Insekten, Vögel und kleine Säuger, weshalb die Bocage eine wichtige Rolle im Erhalt der ökologischen Artenvielfalt spielt.
Deshalb fördert die europäische Agrarpolitik Landwirte, die sich zu umweltfreundlichen Maßnahmen verpflichten. Dazu gehören die Erhaltung von Bäumen und Hecken, die Anlage von Blühstreifen, die natürliche Bewirtschaftung von Wiesen, die Anlage und Pflege von Tümpeln, die Erhaltung von Hochstamm-Obstgärten und lokalen Nutztierrassen.
Die folgenden Fotos zeigen alle typische Landschaften aus dem Herver Land
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Info
Agrarumweltmaßnahmen (AUM)
Ab 1985 begann die gemeinsame Agrarpolitik, sich mit den Auswirkungen der Intensivierung der Landwirtschaft auf die Umwelt zu beschäftigen. Die "AUM", wie sie im landwirtschaftlichen Jargon genannt werden, wurden Mitte der 1990er Jahre entwickelt und waren ab den 2000er Jahren erfolgreich. Die heute als "Mesures Agro-environnementales et Climatiques" (Agrar-Umwelt- und Klimamaßnahmen) bekannten "MAEC" sind finanzielle Ausgleichszahlungen, die Landwirten gewährt werden, die sich zu umweltfreundlichen Praktiken verpflichten. Dazu gehören die Erhaltung von Bäumen und Hecken, die Anlage von Blühstreifen, die natürliche Bewirtschaftung von Wiesen, die Anlage und Pflege von Tümpeln, die Erhaltung von Hochstamm-Obstgärten, die Erhaltung lokaler Tierrassen, ...
Über das Herver Land und seine besonderen Landschaftsformen wird auf dieser Seite eine 60-seitige französischsprachige pdf-Broschüre zum Download bereit gestellt. Die Broschüre heißt « Comprendre, savourer, protéger les paysages du Pays de Herve » (2019) und beinhaltet sehr viele grafisch ansprechende Darstellungen u.a. zur 'Bocage'.
Hinweis für Lehrende
Lösung für das interaktive Bild in der folgenden Aufgabe
§PD
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Aufgabe
Eine Landschaft untersuchen: Beispiel Weser-Maas-Land
Ein Landschaftsbild, das ein weites Panorama zeigt, eignet sich gut, um bestimmende Merkmale dieser Landschaft zu untersuchen. Die Aufnahme unten zeigt das Weser-Maas-Gebiet oder auch Herver Land. Es unterschiedet sich deutlich von anderen Regionen der Euregio Maas-Rhein.
1Beschreibe deinen ersten Eindruck vom Relief des Weser-Maas-Gebiets anhand des Bildes unten.
2Welche Farbe ist auf dem Bild vorherrschend? Woher kommt sie?
3Klicke auf dem Bild folgende Merkmale an: Weideland, einzeln stehendes Gehöft, Beerenplantage, Straße, Waldgebiet.
Obstsirup ist eines der bekanntesten Produkte des Herver Landes. Er wird aus den Äpfeln/Birnen der Region hergestellt. Man kann ihn als Brotaufstrich verwenden. Er wird aber auch bei vielen Gerichten der belgischen Küche genutzt.
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Herver Käse (Fromage de Herve oder Herverkaas). Ein sehr würziger Weichkäse aus der Gegend um Herve, der eine goldgelbe oder elfenbeinartige Farbe hat. Er wird aus der Milch der Kühe im Herver Land hergestellt und vor Ort auch in vielen Restaurants und Geschäften angeboten.
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Val Dieu Triple, ein belgisches Starkbier aus dem Kloster Val-Dieu (Goidsdaele oder Gottesthal). Das Kloster liegt etwa vier Kilometer außerhalb der Gemeinde Aubel im Weser-Maas-Gebiet.
Hinweise für Lehrende
Zusatzmaterial zu belgischen Spezialitäten in der Gastronomie
Im Podcast "Bonjour Wallonie – Südbelgien entdecken" geht es auch um die Lebensmittel und bekannten landwirtschaftlichen Produkte der Region. Hör doch mal in diese Folge hinein.
Hinweise für Lehrende
Zur folgenden Aufgabe
Die Lernenden können in ihren Audio-Beitrag folgende Informationen und Erkenntnisse einbringen: Klima/Wetter:
nahe an Nordsee und Atlantik gelegen --> ca. 75 % der Wetterlagen vom Meer bestimmt.
überwiegend keine extremen Klima-Ausschläge bei den Temperaturen und Niederschlägen
selten Dürren, Niederschlag gleichmäßiger über die Monate des Jahres verteilt als in anderen Gegenden Mitteleuropas
Boden:
ton- und nährstoffreiche (Löss-)Böden (eher im Nordwesten der EMR: geeignet für Kulturpflanzen in großflächigerer Landwirtschaft, z.B. Getreide)
Kalkböden (eher im Südosten der EMR: Weidewirtschaft)
leichte (Löss-)Böden (Jülicher und Zülpicher Börde: Ackerland für Weizen und Zuckerrüben)
Grauerde (Kempenland/Campine: sandig, nährstoffarme Böden: kaum landwirtschaftlicher Nutzpflanzenanbau, stattdessen Heidelandschaft und Kiefernwälder).
Besonderheiten der Höfe:
abnehmende Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe (E 26)
Erhöhung der Vielgestaltigkeit der Produktionsmethoden, Produkte und Kundenbeziehungen (Diversifizierung)
zunehmende Verbreitung (auch einzelner) Methoden und Kriterien ökologischer Landwirtschaft (geschlossene Wirtschaftskreisläufe, ausgewogenes Futtermittel-Tier-Verhältnis, weniger/kein Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger)
Produkte und ihre Besonderheiten
konkrete Beispiele werden gerade mit Blick auf die vorherigen Kriterien mehrfach genannt: Umgang mit älteren Getreidesorten, Höfe mit artgerechter Tierhaltung (Hühner, Ziegen, siehe E 30 und E 31)
Vermarktung
zunehmend Direktvermarktung
Etwa 100 Produkte sind mit dem Regionallabel "Made in Ostbelgien" versehen (E 34)
Fairtrade-Initiative
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Aufgabe
Zusammenfassung: Was war wichtig?
1Erstelle in der Gruppe einen Audio-Beitrag über die Landwirtschaft in der Euregio Maas-Rhein. Geht dabei auf folgende Punkte ein:
Boden- und Wetterverhältnisse
Besonderheiten der Höfe
Produkte und ihre Besonderheiten
Vermarktung
2Nutzt für die Erstellung des Audio-Beitrags folgendes Tool: https://vocaroo.com/.
4.1 Landwirtschaft1. Rahmenbedingungen der Landwirtschaft in der Euregio Maas-RheinBodenverhältnisse und ihre Auswirkungen auf die LandwirtschaftBodenverhältnisse im belgischen Teil der Euregio Maas-RheinWetterverhältnisse und LandwirtschaftWetterverhältnisse in den Mittelgebirgsregionen2. Landwirtschaftliche Nutzungen vergleichen3. Regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte4. Andere Gegend, andere Landwirtschaft: das Weser-Maas-Land